Bildung im Widerstreit
Die Bildungsdiskussion im Goethe-Jahr in
historischer Perspektive*
Prof.
Wilhelm Voßkamp, Köln
I
Die gegenwärtige
Diskussion über "Bildung"
- einem "Lieblings- und Zentralbegriff
im deutschen Sprachbereich"1 - ist durch eine paradoxe Situation charakterisiert.
Der heftigen Kritik auf der einen entspricht
ein (nicht nur historisches) Interesse auf
der anderen Seite.
Dieter Simon (langjähriger Vorsitzender
des Wissenschaftsrats und amtierender Präsident
der Berlin-Brandenburgischen Akademie) spitzt
die Kritik zu, wenn er Bildung als eine "bürgerliche
Residualkategorie in einer bürgerlosen
Epoche" bezeichnet und in diesem Zusammenhang
die Geisteswissenschaften und Geisteswissenschaftler
aufs Korn nimmt: "Die Geisteswissenschaftler
[...] haben den prekären Status des
Hofnarren, der von seinem Unterhaltungswert
zehrt; sie haben die Lästigkeit von
Kassandra, deren unbequeme Rufe man meidet
und verleumdet; sie erregen Argwohn wie der
Bettelmönch, der die Früchte von
anderen für ein unbestimmtes Vergeltsgott
verzehrt."2 Diese - gegenüber der Kompensationsthese
von Odo Marquard formulierte Polemik - Marquard
hatte die Geisteswissenschaften als eine
Rezeptur gegen die Schäden der Moderne
verstanden - macht auf die prinzipiellen
Schwierigkeiten aufmerksam, die gegenwärtige
Funktion der Geisteswissenschaften zeitgerecht
zu bestimmen. Das wird auch dann nicht
einfacher, wenn man den Begriff "Bildung"
möglichst offen bzw. 'leer' hält,
wie der französische Philosoph Jean
Luc Nancy, der im Blick auf Bildung von der
"Abhilfe bei einem Mangel an Form, und
zwar ganz gleich, ob im Fall eines Wissens
oder der Existenz" spricht.3 Die zitierten Kritiker stehen in der
Tradition Friedrich Nietzsches, der schon
am Ende des vergangenen Jahrhunderts nach
den Gründen für den Verfall der
"wahren Bildung" fragte und als
Hauptursache eine bloß utilitaristische
Indienstnahme ausmachte: "Also, meine
Freunde, verwechselt mir diese Bildung, diese
zartfüßige, verwöhnte, ätherische
Göttin nicht mit jener nutzbaren Magd,
die sich mitunter auch die 'Bildung' nennt,
aber nur die intellektuelle Dienerin und
Beraterin der Lebensnot, des Erwerbs, der
Bedürftigkeit ist."4
Dieser mehr
als ein Jahrhundert dauernden und bis in
die Gegenwart präsenten Kritik entspricht
- vor allem seit einigen Jahren - ein neues
Interesse an "Bildung", das wesentlich
durch die veränderte gesellschaftliche
Situation der (Post-)Moderne bestimmt ist.
Eine durch die digitalen Medien dominierte
Wissensgesellschaft muß nach Antworten
fragen, die - jenseits bloßer Informationen
und Informationsvermehrung - auf Möglichkeiten
einer kulturellen Synthesisfunktion zielt.
Daß hier das Konzept "Bildung"
folgerichtig zum Thema wird, liegt auf der
Hand. Zwei in diesem Jahr erschienene
umfangreiche und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
geförderte Habilitationsschriften dokumentieren
dies: Hans-Christoph Koller: "Bildung
und Wissenschaft. Zur Struktur biographischer
Bildungsprozesse in der (Post)-Moderne"
und Volker Steenblock: "Theorie der
kulturellen Bildung. Zur Philosophie
und Didaktik der Geisteswissenschaften".5 Mehr noch: die Hoffnung auf synthetisierende
Möglichkeiten im Bildungsbegriff lassen
sich gerade unter Gesichtspunkten einer Neubegründung
kulturwissenschaftlich orientierter Geisteswissenschaften
beobachten. In einem in der Wochenzeitung
DIE ZEIT überschriebenen Artikel "Bildung
als Widerstand" hat der Philosoph Gernot
Böhme als notwendiges Ziel die Verwandlung
von Information in Wissen bezeichnet und
gefordert, daß das Wissen als solches
"von allen Funktionalisierungen - Weltanschauung,
Ideologie, Anwendung - freizuhalten"
sei. "Bildung wird heute eben
nicht mehr als Vorbereitung aufs Leben, sondern
selbst als Leben erfahren. Und genau
das muß gefördert werden, ist
doch bei steigender Arbeitsproduktivität
und sinkender, gesellschaftlich notwendiger
Gesamtarbeit die Integration der Gesellschaft über die Arbeit auf Dauer nicht mehr
möglich. "6
II
Betrachtet
man die gegenwärtig ebenso heftige Kritik
wie das noch eher unübersichtliche,
um nicht zu sagen diffuse neue Interesse
am Konzept "Bildung", ist es notwendig,
sich auf die Grundlagen dieses Konzepts zu
besinnen. Ich werde deshalb - im Zeichen
von Goethes 250. Geburtstag - das Konzept
und die Funktion des Bildungsbegriffs in
Deutschland vorstellen, um dann anhand einzelner
Probleme wieder auf die gegenwärtige,
aktuelle Situation zurückzukommen.
Seine traditionsbildende
und wirkungsmachtige Ausprägung hat
der deutsche Bildungsbegriff im Zeichen der
europäischen Aufklärung und der
neuhumanistischen Diskussionen bei Herder,
Wilhelm von Humboldt und Goethe am Ende des
18. und 19. Jahrhunderts erfahren. Hier
fand eine bis in die Gegenwart weiterwirkende
Weichenstellung statt. Dabei sind fünf
Aspekte konstitutiv:7
l.
Erst die Vorstellung
eines Subjekts als eines einmaligen, unabgeschlossenen
und entwicklungsfähigen Wesens bildet
die zentrale Voraussetzung fur die Entstehung
des modernen Bildungskonzepts. Bildung
ist das Ergebnis der Herausbildung von der
Vorstellung einer Einzigartigkeit des Individuums, das nicht mehr durch seine gesellschaftliche
Rolle, sondern durch seine unverwechselbare
Eigenart und Leistung definiert ist. Diese
Einzigartigkeit orientiert sich an einem
Begriff von Ganzheit, der sowohl auf griechische
Vorstellungen von Totalität als auch
auf religiöse und zeitgenössische
anthropologische Motive verweist. In
Wilhelm von Humboldts 1792 entstandenen "Ideen
zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit
des Staates zu bestimmen" heißt
es: "Der wahre Zweck des Menschen -
nicht der, welchen die wechselnde Neigung,
sondern welchen die ewig unveränderliche
Natur ihm vorschreibt - ist die höchste
und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte
zu einem Ganzen".8 Die Einzigartigkeit des Individuums
wird mit der Aufforderung, sich zu "perfektionieren"
verbunden. Darin steckt ein Moment
der Hoffnung auf Selbsterlösung: "Dies
ist also das Ziel unserer Bildung, in das
Paradies zurückzukehren, aus dem der
Mensch entweichen mußte, um zur Selbsterkenntnis
zu gelangen".9
Humboldt macht zugleich darauf aufmerksam,
daß der Mensch zur Entfaltung seiner
Bestimmung einen Widerpart benötigt:
"Da jedoch die bloße Kraft einen
Gegenstand braucht, an dem sie sich üben,
und die bloße Form, der reine Gedanke,
einen Stoff, indem sie, sich darin ausprägend,
fortdauern könne, so bedarf auch der
Mensch einer Welt außer sich".10 Das 'Übungsfeld' des einzelnen
ist deshalb die "Welt außer sich",
und von daher kommt es immer auf die "Verknüpfung"
bzw. "Wechselwirkung" von Ich und
Welt an.11
2.
In den Bestimmungen
von Bildung am Ende des 18. Jahrhunderts
geht es nicht nur um die Selbstverwirklichung
des einzelnen mittels einzelner Stufen der
Selbstvervollkommnung, sondern zugleich auch
um die Vervollkommnung der menschlichen Gattung. Dies läßt sich - in der
Tradition und partiellen Uminterpretation
des Rousseauschen perfectibilité-Konzepts
(die Doppelheit von "perfectibilité"
und "corruptibilité" wird
zugunsten eines teleologischen Models, das
auf "Natur" setzt, modifiziert)12 - an einer Reihe von bildungstheoretischen
Überlegungen bei Wilhelm von Humboldt
oder Goethe ablesen. Individuelle Bildung,
die den "ganzen Menschen in allen seinen
Kräften und allen seinen Äußerungen
umfaßt", ist zugleich die Voraussetzung
und einzige Möglichkeit "für
die Fortschritte des Menschengeschlechts".13 In den Maximen und Reflexionen heißt es: "Nur alle Menschen
machen die Menschheit aus, nur alle Kräfte
zusammengenommen die Welt".14 Das Utopische dieses Bildungskonzepts
liegt nicht allein darin, daß auf eine
ideale Ganzheit des Individuums gezielt wird,
sondern zugleich auf die Gesamtentwicklung
der menschlichen Gattung. Humboldt
hat vom "Begriff der Menschheit in unserer
Person" gesprochen: "Der größeste
Mensch ist daher der, welcher den Begriff
der Menschheit in der höchsten Stärke,
und in der größesten Ausdehnung
darstellt; und einen Menschen beurteilen
heißt nichts anderes, als fragen: welchen
Inhalt er der Form der Menschheit zu geben
gewußt hat? Welchen Begriff man
sich von der Menschheit überhaupt zu
bilden hätte, wenn er das einzige Muster
wäre, aus welchem man denselben abnehmen
könnte?"15 In der Selbstvervollkommnung des Individuums
läßt sich ein Spiegel der Gesamtentwicklung
der Menschheit erblicken. Diese geschichtsphilosophische
Deutung ist sicher die weitgehendste und
anspruchsvollste und diejenige, die außerhalb
der deutschen Sprachgrenze zu Recht als eine
deutsche Besonderheit angesehen wird.
3.
Der Zusammenhang,
der zwischen der individuellen Entwicklung
des einzelnen und der Entwicklung der menschlichen Gattung
hergestellt wird, hat auch gesellschaftstheoretische und gesellschaftsgeschichtliche
Implikationen. Die Verbindung der Wörter "Bildung"
und "Bürgertum" macht im 19.
Jahrhundert darauf aufmerksam, daß
es sich hier um einen "epochalen Emanzipationsvorgang"
handelt, "in und mit dem sich der 'Bürgerstand'
erfolgreich gegen Privilegien und Prärogativen
des Adels wie gegen die Präponderanz
geistlichkirchlicher Weltdeutung und Lebensführungsbestimmung
wandte".16 Ein weitgehend unpolitisches deutsches
Bürgertum konnte seine soziale Identitat
im Zeichen von "Bildung" finden
und dadurch ein eigenes Standesbewußtsein
entwickeln.
Zu den gesellschaftsgeschichtlichen und politischen
Aspekten des Bildungskonzepts gehört
auch die Tatsache, daß es nach 1789
gegen die Französische Revolution und
deren Folgen gerichtet war. So betont
Wilhelm von Humboldt am Ende seiner Abhandlung
Über Goethes Hermann und Dorothea (1798) diesen Sachverhalt unmißverständlich,
wenn er betont, daß "es nie nötiger
war, die inneren Formen des Charakters zu
bilden und zu befestigen, als jetzt, wo die
äußeren der Umstände und
der Gewohnheit mit so furchtbarer Gewalt
einen allgemeinen Umsturz drohen".17 Umsturz und Revolution sollten durch
Bildung gebannt werden. Diese Bildungsphilosophie
entsprach der politischen Philosophie des
klassischen Liberalismus. Vom Gebildeten
wurde nicht nur erwartet, daß er sich
in seiner Eigenart entwickelt, sondern zugleich
öffentliche und soziale Funktionen wahrnimmt
und entsprechend zukunftsgerichtet handelt.
Goethes Vorstellung von "Tätigkeit"
nimmt hier einen zentralen Platz ein.
4.
Daß das
Bildungskonzept im Bereich der Literatur und Kunst eine exzeptionelle Rolle übernimmt
mag hier nur besonders hervorgehoben werden;
der hier gesteckte Rahmen erlaubt es nicht,
dies im einzelnen zu entfalten. Hinweisen
möchte ich nur auf den wichtigsten Beitrag
der deutschen Romanliteratur zur Weltliteratur
in Gestalt des deutschen Bildungsromans.
In dieser Romanform wird die konfliktreiche
Auseinandersetzung des einzelnen Menschen
mit gesellschaftlicher Realität - eben
das zuvor schon erwähnte Wechselverhältnis
von Ich und Welt dargestellt -, wobei im
Mittelpunkt die Geschichte eines sich in
bestimmten Stufen selbst vervollkommnenden
Individuums steht.18 Neben der prototypischen und gattungsbildenden
Funktion von Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahren (1795) sind Christoph Martin Wielands Geschichte des Agathon (1766/67) ebenso zu nennen wie Gottfried
Kellers Grüner Heinrich (1854/55), Adalbert Stifters Nachsommer (1857) oder Thomas Manns Der Zauberberg (1924). Die literarische Darstellung des Bildungsproblems als Geschichte
sich entwickelnder und mit gesellschaftlicher
Wirklichkeit auseinandersetzender Protagonisten
steht im Zeichen jenes von Wilhelm Meister
unnachahmlich formulierten Programms:"[...]
mich selbst, ganz wie ich da bin auszubilden,
das war dunkel von Jugend auf mein Wunsch
und meine Absicht".19 Ausgehend von der Doppelheit von "Bildungskraft"
und "Bildungstrieb" (und im Rückgriff
auf naturwissenschaftliche Vorstellungen
von Johann Friedrich Blumenbach) geht es
Goethe insbesondere um 'Gestaltung und Umgestaltung'
und um jene stufenweise, sukzessive, 'fortschreitende'
Entwicklung und Steigerung, die am Modell
des organischen Lebens abgelesen wird.20 In den Bildungsromanen ist die Frage
entscheidend, wie die Auseinandersetzung
zwischen dem einzelnen und der "Welt"
am Ende ausgeht. Stößt sich
das Subjekt "die Hörner" ab,
wie Hegel ironisch formulierte? Kommt
es zu einem Ausgleich zwischen individuellen
und gesellschaftlichen Interessen? Muß
das Individuum sich anpassen oder bleibt
es bei einer dauernden Obsession? In
der Geschichte des Bildungsromans in Deutschland
sind diese Möglichkeiten vielfaltig
durchgespielt worden. Im 19. Jahrhundert
ist die Auseinandersetzung zwischen Individuum
und Gesellschaft häufig im Zeichen von
"Versöhnung" gedeutet worden,
obwohl die Romane seit E.T.A. Hoffmanns Kater Murr (1820/21) dieser optimistischen Lösung
bis heute eher widersprechen. Für
das 20. Jahrhundert ist zudem die Vermischung
mit anderen Roman-Modellen, etwa des Picaro-Romans
charakteristisch (vgl. Gunter Grass' "Die
Blechtrommel").21
Bezeichnend
genug ist die Tatsache, das das Problem der
(ästhetischen) "Versöhnung"
auch in der deutschen Kunsttheorie die zentrale
Rolle spielt. In Friedrich Schillers
Vorstellung einer "ästhetischen
Erziehung" erscheint das Bildungskonzept
als ein kunsttheoretisches Problem der Versöhnung
von "Stoff" und "Form".
Schiller möchte die kantische
Spannung von Sinnlichkeit und Vernunft im
(ästhetischen) "Spiel" aufheben:
Der Mensch "ist nur da ganz Mensch,
wo er spielt".22 Ein Ausgleich zwischen den Widersprüchen
kann nur im Vollzug der künstlerischen
Produktion oder im Augenblick der Kunstwahrnehmung
stattfinden. Auch ästhetische
Bildung, wie Schiller sie vorgeschlagen hat,
läßt sich - komplementär
zu Goethe - als Antwort auf die bereits im
letzten Drittel des 18. Jahrhunderts beobachtbare
Zersplitterung und Spezialisierung in der
Moderne verstehen, wobei die Hoffnung, daß
man mittels einer bildenden Funktion der
Kunst zur Einheit und Ganzheit zurückfinden
könne, vorherrscht.
5.
Das auch der
Philologie eine "bildende" Funktion zugeschrieben wurde, ist nur folgerichtig.
Nietzsche spricht in seiner Baseler Antrittsvorlesung
vom "höchsten Bildungsmaterial".
Den Texten der Weimarer Klassik wurde eine ähnlich paradigmatische
Rolle zugewiesen wie den klassischen Texten
der Antike.23 "Bildung" bestimmt sich
in der Auslegung klassischer Texte und der
Konstruktion des Klassischen. Dabei
wird allerdings eine Aporie sichtbar, die
in der Geschichte der deutschen Studien des
19. Jahrhunderts auffällt. Philologie
als Wissenschaft läßt sich nicht
vollständig mit "Bildung"
verrechnen. Die Differenz zwischen
wissenschaftlicher Objektivität der
Philologie und dem Unerschopflich-Individuellen
(Goethe: "individuum est ineffabile"),
das im Konzept der "Bildung" enthalten
ist, bleibt bestehen.
Versuche der Auflösung dieses aporetischen
Verhältnisses von "Wissenschaft"
und "Bildung" lassen sich insbesondere
in den literaturgeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen
Genres des 19. Jahrhunderts beobachten. Biographien,
vornehmlich Goethe-Biographien, orientierten
sich am Modell des Bildungsromans, indem
sie die Bildungsgeschichte eines schöpferischen
Individuums erzählen. "Bildung"
konnte "in geschichtsphilosophischer
Einbindung zur universalisierenden Letztbegründung
menschlicher Existenz" gemacht werden.24 Versuche zur Entparadoxierung des
Differenzverhältnisses von Wissenschaft
und Bildung mündeten im 19. Jahrhundert
in ein Wissenschaftsethos, das als universell
gültig anerkannt wurde. Goethes
Lebenswerk konnte als Programm der schöpferischen
Selbstbildung zum Vorbild nicht nur der personalen
Bildung werden, sondern auch zur Leitlinie
geisteswissenschaftlicher Forscher.
III
Die hier nur
im Überblick mögliche Darstellung
des Bildungsbegriffs macht einerseits auf
dessen Möglichkeiten, aber andererseits
auch auf dessen Grenzen aufmerksam.
Im Blick auf die gegenwärtige Diskussion
- und unter Anknüpfung an Überlegungen
Goethes lassen sich drei Problemfragen hervorheben.
l.
Die vielfach betonte und gerade von französischer
Seite hervorgehobene Sonderform der deutschen "Bildung" als "Idéologie Allemande":
"Cette formule idéosyncratique
de l'idéologie allemande (holisme
de la communité + individualisme du
developpement de soi) nous permet de comprendre
la réaction allemande aux développements
occidentaux du XVIIIe siècle"25 spielt heute - nach den vergleichenden Untersuchungen
zu den Bürgertumsentwicklungen im europäischen
Vergleich und einer kritischen Beurteilung
der "Sonderwegs"-These keine entscheidende
Rolle mehr. Die im 19. Jahrhundert
erfolgte Nationalisierung des ursprünglich
humanistischen Bildungsbegriffs im Zeichen
der "deutschen Bildung" läßt
sich gerade unter Rückgriff auf Goethes
und Wilhelm von Humboldts universalistisches
Bildungskonzept zurückweisen. Humboldts
Betonen der Pluralität der Sprachen
und der notwendigen Rettung der bestehenden
Sprachenvielfalt etwa ist heute von großer
Aktualitäat. Dies um so mehr,
als Humboldt das Erlernen und Beherrschen
fremder Sprachen im Zusammenhang des für
die Bildung notwendigen Wechselverhältnisses
von Ich und Welt sieht. "Die Erlernung
einer fremden Sprache sollte daher die Gewinnung
eines neuen Standpunkts in der bisherigen
Weltansicht sein, da jede das ganze Gewebe
der Begriffe und der Vorstellungsweisen eines
Teils der Menschheit enthalt."26 In Humboldts "Theorie der Bildung
des Menschen" wird die Möglichkeit,
"dem Geiste eine eigene und neue Ansicht
der Welt und dadurch eine eigene und neue
Stimmung seiner selbst [...zu] geben"
als besonders innovativ hervorgehoben.27 Hier ließe sich an die gerade
in der letzten Zeit hervorgehobene notwendige
Weltgemeinschaft des Miteinanderlernens anknüpfen,
bei der es nicht so sehr um das Voneinanderlernen
im Sinne eines Kompetenzvorsprungs geht,
sondern um das gemeinsame Miteinanderlernen.28
In diesem Zusammenhang
ist es ebenso wichtig darauf hinzuweisen,
daß Goethes Konzept der "Weltliteratur"
im unmittelbaren Kontext dieser Universalisierung
des Bildungsbegriffs gesehen werden kann.
Auch Goethe wendet sich gegen eine nationale
oder eurozentrische Hierarchisierung, indem
er kein normatives Konzept der Weltliteratur
zugrundelegt. Goethe betont in einem
auf den 31. l. 1827 datierten Gespräch
mit Eckermann, "[...] daß die
Poesie ein Gemeingut der Menschheit ist und
das sie überall und zu allen Zeiten
in Hunderten und aber Hunderten von Menschen
hervortritt [...] Ich sehe mich daher
gerne bei fremden Nationen um und rate jedem,
es auch seinerseits zu tun. Nationalliteratur
will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der
Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder
muß jetzt dazu wirken, diese Epoche
zu beschleunigen".29 Goethes Trost gegenüber der "englischen
Springflut" ist einzig, daß durch
die "anmarschierende Weltliteratur [...],
wenn auch das Allgemeine dabei übel
fährt, gewiß einzelne davon Heil
und Segen gewinnen werden", denn "diejenigen
[...] die sich dem Höheren und höher
Fruchtbaren gewidmet haben, werden sich geschwinder
und näher kennenlernen", um so
"der breiten Tagesflut sich entgegenzusetzen"
und gemeinsam für eine den "wahren
Fortschritt der Menschheit" befördernde
Weltliteratur zu wirken.30 Man erkennt hieran, daß Goethe
bereits das uns wohlbekannte Phänomen
der Trivialliteratur und der Dominanz einer
Fremdsprache thematisiert und reflektiert,
dabei aber zugleich an der universalistischen
Perspektive eines "Fortschritts der
Menschheit" durch eine wo auch immer
bestehende Literatur, die produktiv macht,
festhält.
2.
Die durch die aufklärerische und idealistische
Geschichtsphilosophie begründete Relationierung
von Bildung des einzelnen und Bildung der Menschheit (vgl. die zuvor gegebenen Zitate von Wilhelm
von Humboldt) mußte schon in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und dann
nach den historischen Erfahrungen der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Kritik
geraten, weil eine Vorstellung von harmonischer
Totalität nicht mehr vorausgesetzt werden
kann. Theodor W. Adorno hat in seiner
Kritik der "Halbbildung" und in
seinem Werk "Negative Dialektik"
die Totalitätsambitionen philosophischer
Systeme in Frage gestellt. Das "ganze
ist fur Adorno keine systematisch zu erfassende
Totalität [mehr], sondern eine unabschließbare
Vielfalt von Aspekten; und diese Vielfalt
besteht nicht in einer sich gegenseitig harmonisch
ergänzenden Komplementaritat, sondern
in einer spannungs- und widerspruchsvollen
Disharmonie der verschiedenen Aspekte."31
Wie reagiert die Moderne und Postmoderne
auf dieses Problem? Die Frage läßt
sich auch noch anders und höchst originell
mit Friedrich Nietzsche so formulieren: "Der
moderne Mensch schleppt zuletzt eine ungeheure
Menge von unverdaulichen Wissenssteinen mit
sich herum, die dann bei Gelegenheit auch
ordentlich im Leibe rumpeln, wie es im Märchen
heißt [...] Durch dieses Rumpeln
verrät sich die eigenste Eigenschaft
dieses modernen Menschen: Der merkwürdige
Gegensatz eines Inneren, dem kein Äußeres,
eines Äußeren, dem kein Inneres
entspricht [...] Das Wissen, das im
Übermaße ohne Hunger, ja wider
das Bedürfnis aufgenommen wird, wirkt
jetzt nicht mehr als umgestaltendes, nach
außen treibendes Motiv und bleibt in
einer gewissen chaotischen Innenwelt verborgen
[...] Man sagt dann wohl, daß
man den Inhalt habe und daß es nur
an der Form fehle; aber bei allem Lebendigen
ist dies ein ganz ungehöriger Gegensatz.
Unsere moderne Bildung ist eben deshalb
nichts Lebendiges, weil sie ohne jenen Gegensatz
sich gar nicht begreifen läßt,
d.h.: sie ist gar keine wirkliche Bildung,
es bleibt in ihr bei dem Bildungs-Gedanken,
bei dem Bildungs-Gefühl, es wird kein
Bildungs-Entschluß daraus."32
Hier wird auf ein zentrales Problem der modernen
Bildungsdiskussion aufmerksam gemacht insofern,
als zu Recht das Praktischwerden der Bildung
eingeklagt wird in einem historischen Augenblick,
in dem idealistische Totalitätsvorstellungen
vom Ganzen nicht mehr zeitadäquat sind.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Auch hier empfiehlt
sich ein Blick zurück auf Goethes "Selbstcharakteristik"
und dessen Betonen der "Bildungskraft"
und des "Bildungstriebs": "Immer
tätiger, nach innen und außen
fortwirkender, poetischer Bildungstrieb macht
den Mittelpunkt und die Base seiner Existenz;
hat man den gefaßt, so lösen sich
alle übrigen anscheinenden Widersprüche.
Da dieser Trieb rastlos ist, so muß
er, um sich nicht stofflos selbst zu verzehren,
sich nach außen wenden und, da er nicht
beschauend, sondern nur praktisch ist, nach
ausen ihrer Richtung entgegenwirken."33
Darauf hinzuweisen bleibt, daß es im
Konzept der Bildung immer um die Doppelheit
eines Handlungs- und Reflexionsbegriffs geht.
Die Seite der Reflexion läßt
sich heute vornehmlich im Bereich der Literatur
und auch in Formen der produktiven Kritik
der Bildungsromantradition beobachten.
So vermag man noch im Gestus des Aufschreibens
(so in Musils Mann ohne Eigenschaften oder Thomas Bernhards Auslöschung) eine produktive Anstrengung der Selbstreflexion
zu erkennen, während die handlungsbetonte
Seite des Bildungsbegriffs insbesondere im
praktisch-pädagogischen und wissenschaftlichen
Bereich hervorzuheben ist.
3.
In keinem Bereich
läßt sich heute Goethes Aktualität
des "schaffenwollenden Bildungstriebs"
genauer beobachten und produktiver diskutieren,
als in dem der fächerübergreifenden,
interdisziplinären Überbrückung
der Geistes- und Naturwissenschaften. Die Vorstellung von den "zwei
Kulturen" wäre für Goethe
vollständig unverständlich, weil
er die humanistische mit der naturwissenschaftlichen
Bildung zu verbinden vorschlägt. Goethe
beharrt bis zu seinem Lebensende durchgehend
darauf, daß - "neben der Altertumswissenschaft,
der Kunst und der Religion - das Studium
der Natur von unschätzbarem Wert für
eine rechte Bildung sei und die Naturwissenschaften
daher für jeden denkenden Menschen unentbehrlich
seien."34 In einem Gespräch mit dem Philologen
Friedrich Wilhelm Riemer findet sich der
für manche Geisteswissenschaftler erstaunliche
Satz: "Schon seit fast einem Jahrhundert
wirken die Humaniora nicht mehr auf das Gemüt
dessen, der sie treibt, und es ist ein rechtes
Glück, daß die Naturwissenschaft
dazwischengetreten ist, das Interesse an
sich gezogen und uns von ihrer Seite den
Weg zur Humanität eröffnet hat".35 Diese aus dem Jahre 1808 stammende
Bemerkung, die als Reflex auf die langjährige
Beschäftigung mit der "Farbenlehre"
gelesen werden kann, steht nicht isoliert.
In einer Äußerung gegenüber
Eckermann betont Goethe: "Ohne meine
Bemühungen in den Naturwissenschaften
hätte ich die Menschen nie kennengelernt,
wie sie sind. In allen Dingen kann
man dem reinen Anschauen und Denken, den
Irrtümern der Sinne wie des Verstandes,
den Charakterschwächen und -stärken
nicht so nachkommen [...] Die Natur
versteht gar keinen Spaß, sie ist immer
wahr, immer ernst, immer strenge; sie hat
immer recht und die Fehler und Irrtümer
sind immer des Menschen".36
Fragt man nach
der Aktualität dieser Äußerungen
Goethes so ergeben sich unmittelbare Parallelen
zur gegenwärtigen Diskussion im Dialog
zwischen Geistes- und Naturwissenschaften.
Dabei spielen zwei Momente eine besondere
Rolle. Einerseits das Konzept von Selbstorganisationstheorien
in den Natur- und Geisteswissenschaften,
was etwa an den Diskussionen uber Niklas
Luhmanns systemtheoretischem Begriff der
Autopoiesis abgelesen werden kann - und ohne
die Voraussetzungen etwa bei Maturana nicht
denkbar ist. Andererseits spielt das
Verständnis des Individuums in den Naturwissenschaften
heute eine viel stärkere Rolle als noch
vor Jahren. Das "Subjekt der Erkenntnis
auch als subjektives Element - und nicht nur als objektivierte
Projektion - [wird] innerhalb der wissenschaftlichen
Erkenntnis gesehen und verstanden [...]".37 Goethe hat bei verschiedenen Gelegenheiten
auf den Zusammenhang zwischen der Naturforschung
und dem forschenden Subjekt hingewiesen.
Wissenschaftliche Beschäftigung
wird im Zusammenhang von Selbstbildungsprozessen
gesehen und als Mittel der Selbstfindung
und Kultivierung des Selbst verstanden.38
Das mag am
Beginn des 19. Jahrhunderts (wie heute) eher
als Programm denn als Realität verstanden
werden - aber unzweifelhaft ist, daß
die gegenwärtige Diskussion über
Bildung als Antwort auf 'Wissen' bzw. auf
die "Informations- und Wissensgesellschaft"
in diesen Zusammenhang gehört. Gerade
wenn man - wie jüngst von Christiaan
L. Hart Nibbrig geschehen - Fragen der Interdisziplinarität
in den Kulturwissenschaften im Zeichen der
Grenzerfahrung des "Dazwischen"
diskutiert, läßt sich die Bedeutung
des Grenzgängers, eben des "Charakters"
(Goethe) nicht übersehen.39 Auch hier kann die "Wiederentdeckung
der Bildung" (so im Programm der Friedrich
Ebert-Stiftung im Oktober 1999) selbstreflexiv
auf Vorstellungen Goethes und Wilhelm von
Humboldts zurückgehen. Dies allerdings
wird nicht ohne selbstkritische Reflexion
gelingen, so das gerade die Aufarbeitung
der einzelnen historischen Abschnitte und
Zäsuren in der Geschichte der Bildung
in Deutschland eine aktuelle Aufgabe bleibt.
Anmerkungen
* Bei dem folgenden Beitrag handelt es sich
um die durch Anmerkungen ergänzte Fassung
eines Vortrags, der aus Anlaß des 250.
Geburtstages Johann Wolfgang Goethes 1999
an der Sophia-Universität in Tokyo gehalten
wurde.
1. Vgl. Rudolf Vierhaus, "Bildung".
In: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches
Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in
Deutschland. Hg. v. Otto Brunner, Werner
Conze und Reinhart Koselleck. Stuttgart 1972,
Bd. l, S. 508-551, hier S. 508.
2. Dieter Simon, Zukunft und Selbstverständnis
der Geisteswissenschaften. In: Rechtshistorisches
Journal 8(l989), S. 226.
3. Zit. Nikolaus Wegmann, Literarische Bildung
in den Zeiten der Theorie. In: Der Deutschunterricht
45(1993), S. 19.
4. Friedrich Nietzsche, Über die Zukunft
unserer Bildungsanstalten. Vierter Vortrag.
In: F. Nietzsche, Werke in drei Bänden.
Hg. v. Karl Schlechta. Band 3. München
1956, S. 231.
5. Beide erschienen im Wilhelm Fink-Verlag,
München 1999.
6. DIE ZEIT Nr. 38, 16. September 1999, S.
51. Zwei weitere Bücher mit sehr
unterschiedlichem Akzent haben in diesem
Jahr die Diskussion über "Bildung"
belebt: Manfred Fuhrmann, Der europäische
Bildungskanon des bürgerlichen Zeitalters.
Frankfurt/Main 1999 (eine historistische
Darstellung traditionaler Bildungswerte)
und Dietrich Schwanitz, Bildung. Alles, was
man wissen muss. Frankfurt/Main 1999 (ein
problematischer Verschnitt von Bildungswissen
aus unterschiedlichen Bereichen der Philosophie,
Literatur und Geistesgeschichte).
7. Vgl. auch zum folgenden: Wilhelm Voßkamp,
'Bildung' als Synthese. Einleitung zu: Wissenschaftsgeschichte
der Germanistik im 19. Jahrhundert. Hg. v.
Jürgen Fohrmann und Wilhelm Voßkamp.
Stuttgart und Weimar 1994, S. 15-24.
8. Wilhelm von Humboldt, Studienausgabe.
Hg. v. A. Flitner und K. Giel. Stuttgart
31980, Bd. l, S. 64. Zur neueren Literatur
über Wilhelm von Humboldt vgl. den Literaturbericht
von Gabriele Goslich, Bildung, Ästhetik,
Sprache. Aspekte der neuen Humboldt-Literatur.
In: Philosophischer Literaturanzeiger 45
(1992), S. 403-416.
9. Friedrich Ast, Über den Geist des
Altertums und dessen Bedeutung für unser
Zeitalter; zit. Reinhart Koselleck, Einleitung
- Zur anthropologischen und semantischen
Struktur der Bildung. In: Bildungsburgertum
im 19. Jahrhundert. Teil II. Bildungsguter
und Bildungswissen. Hg. v. R. Koselleck.
Stuttgart 1990, S. 26.
10. "Ideen zu einem Versuch, die Gränzen
der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen"
(Anm. 8), S. 64.
11. Das literarische Modell für diese Konstellation
ist der deutsche Bildungsroman; vgl. dazu
weiter unten.
12. Vgl. Wilhelm Voßkamp, Perfectibilité
und Bildung. Zu den Besonderheiten des deutschen
Bildungskonzepts im Kontext der europäischen
Utopie- und Fortschrittsdiskussion. In:
Europäische Aufklärung(en). Einheit
und nationale Vielfalt. Hg. v. Siegfried
Jüttner und Jochen Schlobach. Hamburg
1992, S. 117-126.
13. Wilhelm von Humboldt (vgl. Anm. 10).
14. Johann Wolf gang Goethe, Sprüche
in Prosa. Sämtliche Maximen und Reflexionen.
Hg. v. Harald Fricke. Frankfurt/Main 1993
(J. W. Goethe, Sämtliche Werke. I. Abteilung,
Bd. 13), S. 422.
15. Wilhelm von Humboldt, Theorie der Bildung
des Menschen. In: W. v. Humboldt, Studienausgabe,
Bd. l (vgl. Anm. 10), S. 235.
16. Ulrich Engelhardt, "Bildungsbürgertum".
Begriffs- und Dogmengeschichte eines Etiketts.
Stuttgart 1986, S. 30.
17. Wilhelm von Humboldt, Studienausgabe,
Bd. 2 (vgl. Anm. 10), S. 356.
18. Vgl. dazu Wilhelm Voßkamp, "Bildungsbücher":
Zur Entstehung und Funktion des deutschen
Bildungsromans. In: Die fürstliche Bibliothek
Corvey. Ihre Bedeutung für eine neue
Sicht der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts.
Hg. v. Rainer Schöwerling und Hartmut
Steinecke. München 1992, S.134-146.
19. Aus Wilhelms berühmtem Brief an
den Bruder Werner im 3. Kapitel des 5. Buches.
Vgl. Johann Wolfgang Goethe, Wilhelm Meisters
theatralische Sendung. Wilhelm Meisters Lehrjahre.
Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten.
Hg. v. Wilhelm Voßkamp und Herbert
Jaumann. Unter Mitwirkung von Almuth Voßkamp.
Frankfurt/Main 1992 (J. W. Goethe, Sämtliche
Werke. I. Abteilung, Bd. 9), S. 657.
20. Zum Begriff "Bildung" sind
bei Goethe rund 900 Belege zu finden. Vgl.
dazu das Goethe-Wörterbuch, Bd. V. Stuttgart
1989, S. 698-716.
21. Hans Magnus Enzensberger bezeichnete
diesen Roman in seiner Kritik als "Wilhelm
Meister auf Blech getrommelt".
22. Vgl. Friedrich Schiller, Über die
ästhetische Erziehung des Menschen in
einer Reihe von Briefen. In: Friedrich Schiller,
Sämtliche Werke, hg. v. Gerhard Fricke
und Herbert Göpfert. Bd. 5. Munchen 31962,
S. 618.
23. Vgl. Klassik im Vergleich. Normativität
und Historizität europaischer Klassiken.
Hg. v. Wilhelm Voßkamp. Stuttgart und Weimar
1993.
24. Hans-Martin Kruckis, Biographie als literaturwissenschaftliche
Darstellungsform im 19. Jahrhundert. In:
Wissenschaftsgeschichte der Germanistik
im 19. Jahrhundert (vgl. Anm.7), S. 562.
25. Louis Dumont, Homo Aequalis, II. L' Idéologie
Allemande. France-Allemande et retour. Paris
1991, S. 35f.
26. Wilhelm von Humboldt, Studienausgabe,
Bd. 2 (vgl. Anm. 10), S. 60f.
27. Wilhelm von Humboldt, Studienausgabe,
Bd. l (vgl. Anm. 10), S. 239. Zu Humboldts
Bildungskonzept insgesamt: Hans-Christoph
Koller. Bildung und Widerstreit. Zur Struktur
biographischer Bildungsprozesse in der (Post-)Moderne.
München 1999, S. 52-93.
28. Vgl. Annette Lepenies und Wolf Lepenies,
Deutsch-japanisches Lernen. Ein historisches
Beispiel und ein Vorschlag für die Gegenwart.
In: MERKUR 53 (l 999), S. 666-672.
29. Zit. Anne Bohnenkamp, "Den Wechseltausch
zu befördern". Goethes Entwurf
einer Weltliteratur. Im Kommentar zu Johann
Wolfgang Goethe, Ästhetische Schriften
1824-1832. Über Kunst und Altertum
V-VI. Hg. v. Anne Bohnenkamp. Frankfurt/Main
1999 (I. Abteilung. Bd. 22), S. 951 f.
30. Vgl. dazu: Hendrik Birus, Am Schnittpunkt
von Komparatistik und Germanistik. Die Idee
der Weltliteratur heute. In: Germanistik
und Komparatistik. Hg. v. H. Birus. Stuttgart
und Weimar 1995, S. 439-457; hier S. 451.
31. Hans-Christoph Koller, Bildung und Widerstreit
(vgl. Anm. 5), S. 132.
32. Zweite unzeitgemäße Betrachtung;
zit. Volker Steenblock, Theorie der kulturellen
Bildung (vgl. Anm.5),S. 186.
33. Johann Wolfgang Goethe, Selbstcharakteristik,
[August 1797]. In: J.W. Goethe, Gedenkausgabe
der Werke, Briefe und Gespräche. Hg.
v. Ernst Beutler, Bd. 14: Schriften zur
Literatur. Stuttgart und Zürich 21964. S. 185.
34. Günther Böhme, Humanismus zwischen
Aufklärung und Postmoderne. Idstein
1994, S. 196.
35. Vgl. ebd. S. 195.
36. Vgl. ebd., S. 198.
37. Frank Schweitzer, Naturwissenschaft und
Selbsterkenntnis. In: Goethe und die Verzeitlichung
der Natur. Hg. v. Peter Matussek. München
l998, S. 387.
38. Vgl. ebd., S. 389.
39. Vgl. Christiaan L. Hart Nibbrig, Zwischen
den Kulturen. Kulturwissenschaft als Grenzwissenschaft.
In: Kulturwissenschaften. Position und Perspektiven.
Hg. v. Johannes Anderegg und Edith Anna
Kunz. Bielefeld 1999, S. 93-103.
