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<Aktuelle Beiträge zum Symposium>

250 Jahre -- Johann Wolfgang von Goethe
Begrüßung
Rektor der Sophia-Universität
Prof. William Currie
Eröffnung
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
Dr. Uwe Kaestner
Begrüßung
Direktor Goethe-Institut Tokyo
Dr. Heinz-Hugo Becker

Bildung als "deutsche Ideologie"?
Bildung im Widerstreit
Prof. Wilhelm Voßkamp, Köln
Goethe und die chinesische Klassik
Prof.Zhang Yushu, Beijing

Goethes Faust.
Die Tragödie der modernen Übereilung.
Dr. Manfred Osten, Bonn

Goethe in der koreanischen Kultur.
Goethe-Rezeption in sozio-kultureller Betrachtung
Prof. Kim Tschong-Dae, Seoul
Goethe und Amerika
Prof Walter Hinderer, Princeton

Goethes Faust auf der koreanischen Bühne.
- Überlegungen zur Rezeption in Korea -
Prof. Rhie Won-Yang, Ansan
Goethes Schweizer Reisen
Prof. Adolf Muschug, Zürich

Goethe-Rezeption in China.
Von Wertherfieber zu "Werther"-Übersetzungsübereifer
Prof. Yang Wuneng, Chengdu
Goethe und Öserreich
Prof. Werner M. Bauer, Innsbruck
Englische Literatur als Weltliteratur
Prof. Terence James Reed, Oxford
Goethe und die japanische Mentalität
Prof. Naoji Kimura, Tokyo

Der fremde Goethe.
Die Deutschen und ihr Dichter
Prof. Lothar Ehrlich, Weimar
Schlußwort
Prof. Naoji Kimura, Tokyo



250 Jahre -- Johann Wolfgang von Goethe

Merkwürdigerweise wurden Goethes Gedenkjahre bisher immer in einer Krisensituation der deutschen Geschichte gefeiert: 1849 ein Jahr nach der März-Revolution, 1899 im Zeitalter der "Jugend ohne Goethe" (Max Kommerell), 1932, als die Säkularfeier Goethes im Schatten des herannahenden Nationalsozialismus stattfand, 1949, als im Nachkriegsdeutschland die innerdeutsche Grenze errichtet wurde, dann 1982 die 150. Wiederkehr von Goethes Todestag im geteilten Deutschland. Und nun trifft sich, daß der 250. Geburtstag Goethes zehn Jahre nach der deutschen Einheit und in dem denkwürdigen Jahr des 50jährigen Jubiläums der Bundesrepublik Deutschland gefeiert werden sollte. Es gibt unzählige Veranstaltungen zur Goethefeier, die im Laufe dieses Jahres nicht nur in Deutschland, sondern auch in der ganzen Welt stattfinden. Es war fast ein neuer Goethe-Kult zu befürchten, so daß der Alt-Bundespräsident Roman Herzog in seiner am 14. April 1999 im Kaisersaal des Frankfurter Römer gehaltenen Rede seine Landsleute vor einer unkritischen Idealisierung des Menschen Goethe gewarnt hat.
Aber abgesehen von gewissen Mißständen spricht es doch für eine weltweite Wirkung Goethes, daß der Dichter auf diese Weise immer wieder gefeiert wird. Es ist denn auch daher, daß das Institut für die Kultur der deutschsprachigen Länder an der Sophia-Universität, Tokyo, aus diesem Anlaß ein Symposium "Goethe - Wirkung und Gegenwart" geplant hat, um die Bedeutung des Menschen Goethe sowie seiner Dichtung für die Gegenwart erneut zu überdenken. Glücklicherweise war das Goethe-Institut Tokyo bereit, dieses Projekt großzügig mit Rat und Tat zu unterstützen, und hat es in der Tat ermöglicht, daß die Goetheforscher nicht nur aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, England und den USA, sondern auch aus China und Korea zu einem internationalen Symposium zusammenkommen und sich mit Goethes Wirkungen unter dem zweifachen Gesichtspunkt von "Goethes Weltbürgertum" und "Goethe und die Nationalkulturen" beschäftigen.
Hoffentlich findet dieses Goethe-Symposium viel Anklang in weiten Kreisen der japanischen Goethefreunde sowie bei der akademischen Jugend.




     


Begrüßung
Rektor der Sophia-Universität
Prof. William Currie

Your Excellencies, ladies and gentlemen:

On behalf of the entire Sophia University Community, it is a pleasure and privilege for me to welcome to our campus our distinguished guests and participants in the Goethe Symposium celebrating the 250th anniversary of his birth.
I am very happy that Sophia University is able to host this important symposium and contribute in some way to the dialogue concerning Goethe's influence on our contemporary world.
Looking at the list of speakers and panelists, I can see that many countries are represented here today and tomorrow, giving evidence of the universal appeal of Goethe's writings.
His own activities took place on a fairly broad stage for a person of his time: Germany, Austria, Switzerland, Luxembourg, France, Italy - but still limited to within the borders of Western and Central Europe. And yet his creative genius had an impact not only on the whole of Europe, but on the whole world, as your presence here today testifies.
As all of you know better than I, Goethe was not only one of the great masters of world literature; his genius extended to many other fields of human endeavor, a true man for all seasons whose writings show a deep understanding of humankind. As such, his values remain with us today, providing a challenge for all of us engaged in education.
It is particularly appropriate that such a giant figure in Germany and in German speaking countries should be celebrated here at a university which has its roots in the germanic world.
I would like to take this opportunity to thank all those who have worked so hard to plan and organize this symposium, especially the Goethe Institute and its director Mr. Becker for continued collaboration, and the members of the Institute for the Culture of German - Speaking Areas.
And finally, special thanks to Prof. Kimura, whose broad knowledge and sharp intellect have contributed greatly to making Goethe known in Japan.
Allow me to close with a quote from the great master himself, from Wilhelm Meisters Lehrjahre:

One ought, every day at least, to hear a little song,
read a good poem, see a fine picture, and, if it
were possible, to speak a few reasonable words.

Man sollte alle Tage
wenigstens ein kleines Lied hören,
ein gutes Gedicht lesen,
ein treffliches Gemälde sehen,
und, wenn es möglich zu machen wäre,
einige vernünftige Worte sprechen.
[Wilhelm Meisters Lehrjahre V, 1]

I am confident that many "reasonable words", "vernünftige Worte", will be spoken here today and tomorrow, and I think Goethe would be happy if he could be here to listen.
Thank you.







     


Eröffnung
Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
Dr. Uwe Kaestner



Meine sehr verehrten Damen und Herren,
In Sonderheit Magnifizenz Professor Currie,
meine sehr verehrten Herrn Kollegen aus dem diplomatischen Korps,
Herr Professor Kimura, Herr Becker
und vor allen Dingen liebe Studenten der Universität,

"Bin ich denn darum achtzig Jahre alt geworden, daß ich immer dasselbe denken soll? Ich strebe vielmehr täglich etwas anderes, etwas Neues zu denken, um nicht langweilig zu werden."

So hat sich Goethe 1830 als Achtzigjähriger gegenüber einem Besucher geäußert, und damit auf den Punkt gebracht, was seine Zeitgenossen und uns Heutige so sehr faszierniert: Ein ruheloser Geist, immer auf der Suche nach Neuem, nach neuen Erkenntnissen, immer verdrossen auch vom Anflug der Langeweile.

Seinem Helden Eduard in den Wahlverwandtschaften legte er Worte in den Mund, die genau das umschreiben:

"Es ist schlimm genug, daß man jetzt nichts mehr für sein ganzes Leben lernen kann. Unsere Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen haben; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen."

Wir, 170 Jahre später, meinen, wir hätten "life long learning" erfunden. Aber es war bei Goethe eine Realität und nicht nur ein bildungspolitischer Slogan. Eine Notwendigkeit, die sich aus der Anschauung der Dinge ergab, und nicht aus der Quersumme einer Ideologie. Und wieviele Wendungen hat er in seinem Leben vollzogen, von den frühen Jahren des "Sturm und Drangs" bis hin zu den Hohepunkten der Weimarer Klassik. Schranken der Disziplinen und der Ideologien wollte er nicht kennen: Er fand das Neue in allen Bereichen der Kunst, natürlich der Dichtung, aber auch der Naturwissenschaften. Ich erinnere an seine Forschungen über das Licht, über das fehlende Zwischenglied, über die Pflanzenphysionomie. Und er fand es natürlich auch in Staat und Verwaltung in Weimar, wo er über viele, viele Jahre als Minister wirkte.

Diese Vielfalt, die so umfassende Begabung hat es natürlich den Zeitgenossen immer wieder schwer gemacht mit Goethe, und uns macht er es auch nicht leicht. Ein Geist wie seiner, der nicht immer dasselbe denken wollte, der sich Schablonen entzog, der gewährt natürlich auch Raum für Zweideutigkeiten, für Mißverständnisse.
Ich glaube, gerade heute ist der Mangel der Eindeutigkeit zeittypisch. Wir stehen am Ende eines Jahrhunderts, in dem ganze Gedankengebäude zu Schutt und Asche, zu Trümmerhaufen zusammensanken. Da beginnt man sie wieder zu schätzen, diese Zweifel, die Goethe bei sich selber fand und die er durch Mephisto bei Faust schürte. Er gewann daraus neue Weisheiten, nur um sie nach kurzer Zeit durch neue Weisheiten, durch neue Erkenntnisse zu ersetzen.

Dieser Universalgeist aus der kleinen Residenz Weimar, er ließ sich nicht packen. Er ließ sich auch nicht auf Endgültiges festlegen. Typisch für diese Haltung ist die Tatsache, daß er vor seinem Tode "Faust II", sein Hauptwerk, versiegelte und testamentarisch verfügte, daß erst nach einer gewissen Frist diese Dichtung der Nachwelt zugänglich werde.

Goethe hätte sich im späteren Verlauf des Zwanzigsten Jahrhunderts mit den aufkeimenden Ideologien, mit ihrem Unfehlbarkeitsanspruch nicht wohl gefühlt. Er ließ sich nicht in enge Schranken einbinden, und gerade deshalb ist die Faszination so groß, heute 250 Jahre nach seiner Geburt wieder Goethe zu lesen, wieder, und da zolle ich gerade den Japanern höchste Reverenz, ihn zu übersetzen, sich an neue Editionen und Wertungen zu wagen.

Thomas Mann hat zum zweihundertsten Geburtstag Goethes in Frankfurt eine Festrede gehalten und Goethe als "Liebling der Menschheit" gepriesen. In der Tat, Prof. Currie hat es eben erwähnt, Goethe hat nicht als Deutscher im nationalistischen Sinn gefühlt. Er hat entscheidende Bildungsimpulse durch seine große Italienreise empfangen, und je älter er wurde, desto mehr fühlte er sich auch als Weltbürger. Er war fasziniert von Lateinamerika, das er durch Alexander von Humboldt kennenlernte, der es damals gerade für die westliche Welt wieder erschlossen hatte. Er war fasziniert von Asien. Er schätzte den persischen Dichter Hafis, versetzte sich in seine Rolle; er schätzte die indische Religions-philosophie und die chinesische Kunst. Im "Westöstlichen Divan" schrieb er auch die Zeilen:

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.
Sinnend zwischen beiden Welten sich zu wiegen - laß ich gelten."


Das ist wahrhaft das Konzept einer Globalisierung, das wir nur unterschreiben können.

Über Japan hat Goethe erfahren durch Lektüre der Werke von Engelbert Kaempfer. Kaempfer hat ja das Japan das 18. Jahrhundert den Europäern bekanntgemacht. Nächstes Jahr werden die Holländer seiner besonders gedenken, wenn sie 400 Jahre Holland in Japan feiern. Und Kaempfer war es auch, der den Ginkgo-Baum nach Europa brachte. Goethe hat diesen Baum in seinen West-östlichen Divan verherrlicht und er hat ihn selbst nach Weimar gebracht. Dort steht ein großer Ginkgo-Baum, direkt gegenüber der Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek. Und neulich hat Ihre Majestät, die Kaiserin, mir mit großer Rührung erzählt, daß sie bei ihrem Staatsbesuch in Deutschland genau diesen Baum gesehen und sich an Goethes Werk erinnerte hat.

Weimar ist mit Recht in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Sie ist natürlich nicht nur dem Werk Goethes gewidmet, sondern auch dem der vielen anderen Dichter und Musiker, die dort gewirkt haben. Aber aus dem Goethe-Haus stammt das Motto dieses Goethe-Jahres, dieser Kulturhauptstadt. An der Schwelle seines Hauses ist in Holz eingelegt das Wort SALVE , "Seid gegrüßt!" Und dieses SALVE möchte ich hier auch Ihnen heute zurufen und Ihnen zwei hochinteressante erfüllte Tage im Sinn des großen deutschen Dichters wünschen.
Herzlichen Dank





     


Begrüßung
Direktor Goethe-Institut Tokyo
Dr. Heinz-Hugo Becker



Magnifizenz Professor Currie,
sehr verehrter Herr Botschafter Dr. Kaestner,
sehr verehrter Herr Botschafter Manz,
sehr verehrter Herr Dr. Angerholzer,
sehr verehrter Herr Professor Kimura,
sehr verehrte Professores und
sehr verehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Ehre und eine Freude, Sie heute zu Beginn des zweitägigen Symposiums "Goethe - Wirkung und Gegenwart" hier in der Sophia-Universität Tokyo begrüßen zu dürfen.

Selbst in der Weltstadt Tokyo ist es ein außerordentliches Ereignis, wenn sich so viele Persönlichkeiten aus den verschiedensten Ländern zusammenfinden, um im Goethe-Jahr 1999 den Weltbürger Johann Wolfgang von Goethe zu feiern. Es ist beeindruckend, daß sich heute Wissenschaftler und Schriftsteller aus Großbritannien, der Schweiz, Österreich, den USA, der VR China, der Republik Süd-Korea, aus Japan und Deutschland mit wertvollen Beiträgen zu diesem Ereignis melden.

Es berührt mich besonders, daß ich unter den Teilnehmern bekannte Gesichter
sehen und persönliche Freunde treffen kann.

Mein besonderer Dank gilt - auch im Namen von Herrn Professor Kimura -unseren Schirmherren, dem Schweizerischen Botschafter Manz, dem Geschaftsträger
Österreichs, Herrn Dr. Angerholzer und dem Botschafter der Bundesrepublik
Deutschland, Herrn Dr. Kaestner, die unser Vorhaben von Anfang begleitet und unterstützt haben.
Auf der Arbeitsebene gilt mein Dank Herrn Magister Heim bei der Österreichischen Botschaft und Frau König und Frau Bürgi bei der Schweizerischen Botschaft.
Herr Köhler, Deutsche Botschaft Tokyo, hat ebenfalls unserem Symposium stets seine Aufmerksamkeit gewidmet.

Ebenso mühte ich mich herzlich bei der Lufthansa, der Swissair und der
Kulturstiftung Pro Helvetia sowie bei der unser Vorhaben begleitenden
Goethe-Gesellschaft in Japan bedanken, die ja auch in Gestalt ihres Vizepräsidenten, Herrn Professor Kimura, bei den Vorbereitungen aktiv beteiligt war.

Zum Schluß muß ich meine besondere Verbundenheit mit dem Institut für die Kultur der deutschsprachigen Länder der Sophia Universität Tokyo zum Ausdruck bringen. Dem Goethe-Institut Tokyo war es eine Ehre, unsere heutige Veranstaltung zusammen mit diesem Institut vorzubereiten und zu gestalten.
Ohne den wertvollen Beitrag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Institutionen wäre eine Realisierung nicht möglich gewesen.

Ich wünsche Ihnen allen und uns eine gewinnbringende Veranstaltung.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.





     


Schlußwort
Naoji Kimura


Zum Abschluß des zweitägigen Goethe-Symposiums möchte ich als Institutsleiter ein Wort des Dankes sagen, zumal es so kollegial und erfolgreich verlaufen ist. Es tut mir sehr leid, daß unser chinesischer Kollege, Herr Yang Wuneng, aus technischen Gründen sein Visum für Japan nicht rechtzeitig bekommen konnte. Ich werde dafür sorgen, daß sein Referat über die Goethe-Rezeption in China der Öffentlichkeit im Internet zugänglich gemacht wird. In diesem Goethejahr fanden bereits und finden noch so viele Veranstaltungen in der ganzen Welt statt, die Goethes 250. Geburtstag feiern, und ich habe selber an mehreren teilgenommen. Heutzutage kann man außerdem im Internet eine Unzahl solcher Goethefeiern erfassen und teilweise miterleben. Aber so eine Internationalität wie auf unserem Symposium habe ich nirgends gefunden.

Danken möchte ich zuerst allen Referenten, die sich die Mühe gegeben haben, mitten im Wintersemester aus Ost und West nach Tokyo zu kommen. In Anwesenheit chinesischer und koreanischer Kollegen, die in der konfuzianischen Kulturtradition beheimatet sind, kann ich mich nicht enthalten, nicht aus Eckermanns Gesprächen mit seinem Meister, sondern vielmehr aus Konfutses Gesprächen mit seinen Schülern zu zitieren: "Freunde haben, die aus fernen Gegenden kommen: Ist das nicht auch fröhlich?" Mit den Freunden sind hier freilich die Gleichgesinnten gemeint, die gemeinsam lernen und fortwährend üben, wie am Anfang gesagt wird. Es handelte sich denn auch bei diesem fernöstlichen Lernen um "Symposion" im griechischen Sinne.

Ich möchte mich dann bei zahlreichen Teilnehmern an diesem Symposium sehr herzlich bedanken, die sowohl durch ihr Zuhören als auch durch Diskussionsbeiträge mitgearbeitet haben. Für die Nichtmuttersprachler war es sicher sehr anstrengend, ja es kann sogar eine Zumutung gewesen sein, lauter Vorträge in deutscher Sprache anzuhören. Aber es muß auch für viele von Ihnen ein eigenartiges Erlebnis gewesen sein, wie die Germanisten aus China, Korea und Japan sich auf deutsch verständigen und so ohne weiteres mit den Kollegen aus dem deutschen Sprachraum diskutieren. Das haben wir vor zehn Jahren aus Anlaß des IVG-Kongresses in Tokyo angefangen und, wenn auch in kleinerem Ausmaß, in Peking, Seoul und Fukuoka wiederholt. Deutsch hat sich dadurch de facto als eine Weltsprache neben Englisch erwiesen. Darüber hinaus haben wir Goethe als unseren gemeinsamen Freund im Sinne Konfutses.

Es ist ohne Zweifel Goethes Weltbürgertum, das sich über zeitliche wie auch räumliche Grenzen hinweg produktiv ausgewirkt hat. Der deutsche Dichter des 18. Jahrhunderts hat dabei durch geistiges Geben und Nehmen einzelne Nationalkulturen in Ost und Welt wunderbar befruchtet. In diesem weltliterarischen Sinne sind wir, wie ich glaube, nicht zuletzt Goethe selbst zu Dank verpflichtet. Ohne in den alten Goethe-Kult zu verfallen, könnten wir uns doch wieder Goethe zuwenden, indem wir erneut etwas von seiner tiefen Naturanschauung und verfeinerten Kunstauffassung lernen. Das wäre eben ethisch-ästhetische Bildung im technischen Zeitalter, die nicht mehr so leicht durch die herkömmlichen Religionen vermittelt werden kann.

Besonders danke ich dem Goethe-Institut Tokyo, das uns finanziell sowie organisatorisch von Anfang an zur Seite gestanden hat, und schließlich meinen Kollegen und Mitarbeiterinnen, die dieses Goethe-Symposium mit Rat und Tat geduldig vorbereitet haben.

Tokyo, den 29. Oktober 1999






     

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